Gross-Kanarien - virtuelle Ferienlandschaft mit kleinen Fehlern

Katja Peschges und Reinhard Wissdorf bereisen Gran Canaria



Für Sie unterwegs: Katja Peschges und Reinhard WissdorfVirtuelle Welten sind im Kommen. Was bislang lediglich in Testläufen nur im kleinen Rahmen zu besichtigen war (Holland - Centerparks) wurde nun im Atlantik im grossen Stil realisiert. Wobei "Atlantik" hier bestenfalls als Metapher gelten dürfte, denn in Wahrheit handelt es sich um den Möckenburger Badesee bei Gross-Umpfen.

Mechanik und Software mit kleinen Schwächen

Trotzdem faszinierend, was hier auf ungefähr 1000 qm Gesamtfläche geboten wird. Durch raffinierte Spiegelprojektionen wird mühelos der Eindruck einer mehr als 1500 qKm grossen Ferienwelt erzeugt, eingebettet in grandiose Naturpanoramen aus Vulkangestein. Der enge Raum fordert natürlich eine perfekt durchgeplante und ökonomisch eingesetzte Mechanik, die zuweilen ihre Schwächen zeigt. So ist es uns passiert, dass wir in einem Einkaufzentrum mehrfach durch Schleusen geführt wurden, welche im Eingangsbereich mit durch Clipping eingegrenzten Szenarien immer wieder neu generiert wurde. Fehler traten vor allem bei der Umrundung auf: der Spielzeugpark an der Südseite wurde an der Nordseite schlicht repliziert, wobei er aber immerhin in der Achse gedreht wurde. Das führte bei uns leider zur totalen Verwirrung, da der angrenzende Parkplatz nicht mehr aufzufinden war. Eine 180-Grad-Umwanderung wurde scheinbar zu einer 360-Grad-Umwanderung aufgemotzt, ohne jedoch in der Funktionalität auf Vollast zu bleiben.

Einfallslosigkeit auch in der Konzeption des Princess-Hotels - hier wurde ein Gebäudekomplex durch Copy-and-Paste schlicht verdoppelt, inklusive Rezeptionsbereich. Lediglich die Spiegelverkehrtheit gibt dem Besucher einen Hinweis darauf, dass er sich in der falschen Bar befindet. Das Auffinden der richtigen Bar war dann nur noch durch intensive Befragung eines weiblichen Bots möglich - das Mechaprogramm war hier allerdings sehr umfassend angelegt, sogar mehrsprachig. Architektonische Besonderheiten gibt es viele, besonders auffällig sind jedoch die modernen Innenbalkone: aus Sicherheits-, aber auch Platzgründen, werden in einigen Appartmenthäusern die Balkone innen im Wohnzimmer angebracht - mit Blick auf das Wohnzimmer, versteht sich. Sogar an Geländer und Überdachung hat man nicht gespart. Es regnet zugegebenermassen recht wenig in den Zimmern, aber herunterfallen ist somit unmöglich - sehr clever!

Überhaupt scheint uns die Durchdringung von simpler Mechanik mit aufwendiger Software oftmals nicht ganz geglückt. So entpuppten sich die Wolken am Himmel nach eingehender Analyse als Zuckerwatteberge, die durch einen am Horizont angebrachten Ventilator bewegt wurden. Die dazugehörige Fabrik fand sich am Rand der virtuellen Stadt Arguineguin (sprich: Agginnegin). Hier wird übrigens auch der Sand hergestellt, eingefärbt und verfeinert, den man dann zum Beschichten der Badebuchten verwendet. Eine einfache Änderung der Programmstruktur von Vulkansand zu Wüstensand wäre hier eine elegantere Lösung gewesen - die Dünen von Maspalomas beweisen, dass es geht!

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Sonderlink: Olafs Reisebericht Gran Canaria (nützlich aber trotzdem witzig)