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| Shabu: Textprobe 2 | |||||
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Sie beugte sich vor und küßte mich auf den Mund. Das war schon der zweite Kuß, den ich innerhalb eines Tages einsteckte. Fehlte nur noch die Krankenschwester. Dann ging sie einfach. "Halt!" rief ich. Ich streckte den Arm aus. Verdammte Verbände! Ich rollte mich aus dem Bett. Wenn ich Rita jetzt gehen ließe, würden einige Fragen ewig unbeantwortet bleiben. Außerdem war ich verknallt wie ein Schulbub. Sie war aber schon durch die Tür. Mit einem furchtbaren Rumms kam ich auf allen Vieren auf. Es schmerzte wie viertausend Nadelstiche. Mühsam kam ich hoch und hinkte zur Tür. Ich hielt mich am Rahmen fest und sah auf den Gang. Rita witschte gerade um eine Ecke. Ich humpelte hinterher. Als ich die Ecke schaffte, blickte ich auf einen endlos langen Flur. Eine Menge Leute liefen da herum. Rita wandt sich wie eine Schlange durch sie hindurch und sah nur einmal kurz nach hinten. "Haltet die Frau fest!" brüllte ich heiser. "So hören Sie doch, Polizei! Die Japanerin!" Ich hinkte im Rekordtempo. Mein Knie schmerzte, als hätte sich eine Dogge drin verbissen. Egal jetzt. Ich mußte sie einfach zu fassen kriegen. Rita war fast aus meinem Blickfeld. Ich mußte irgendwie aufholen. Da! Ein Elektro-Rollstuhl kam mir entgegen. "Halt!" Ich baute mich vor dem Rollstuhlfahrer auf. Er kam quietschend zum stehen. "Polizei! Ich beschlagnahme dieses Fahrzeug zum Zwecke der Strafverfolgung!" Damit riß ich den verduzten Fahrer aus dem Stuhl. Sein rechtes Bein war bandagiert. "Ja sind sie denn verrückt geworden?" wetterte er los. Ich kümmerte mich nicht um das Gezeter. Ein gewagter Hüftdreher, der mein Becken fast aus dem Gelenk gehievt hätte, brachte mich in die richtige Position. Ich zerrte am Hebel und schoß davon. "Achtung!" Ich raste wie ein Irrer durch den Flur. Rita bog am Gangende ab. Ein Pfleger kam mir mit einer Rollbahre entgegen. "Vorsicht!" schrie ich. Der Tölpel sah mich erst im letzten Moment und riß entsetzt die Augen auf. Ich steuerte verzweifelt nach rechts. Mit dem linken Außenspiegel rammte ich die Rollbahre. Die Rollbahre kippte um und eine Leiche oder ein OP-Gast oder ein Was-weiß-ich-was kollerte über den Flurboden. Das rechte Hinterrad des Stuhls schrammte an der Wand entlang. Dann hatte ich die Ecke erreicht und steuerte wild auf den Aufzug zu. Natürlich! Der Aufzug! Wenn Rita glaubte, sie könnte mich damit bremsen, hatte sie sich geirrt. Gerade sah ich sie in einem der beiden Lifts verschwinden. Die Tür schloß sich hinter ihr. Doch da öffnete sich bereits die Tür des zweiten. Mit einem Kamikazeschrei donnerte ich da rein und schepperte gegen die Blechwand. Ein Zivi in weißem Kittel mit Wäsche auf den Armen glotzte mich reichlich belämmert an. "Na, los doch, Zivi!" rief ich. "Drück auf EG!" Der Zivi drückte auf EG. Der Fahrstuhl rumpelte nach unten. Ich saß zappelig in meinem Rolli. "Verdammt, verdammt, verdammt! Fährt diese Rappelkiste nicht schneller? Hilft doch die Schwerkraft mit!" "Wissen Sie eigentlich", sagte der Zivi, "daß es hier im Haus ein Tempolimit für Rollstühle gibt?" "Riskier keine Lippe", erwiderte ich zwischen den Zähnen, "ich trainiere hier." Er grinste. Dann hatten wir das Erdgeschoß erreicht. Die Tür ging auf, ich fuhr quietschend an und raste auf das Hauptportal zu. Vor Rita öffneten sich gerade die Automatiktüren. Ich schoß über die Vorhalle. "Haltet doch die Frau fest!" brüllte ich. "Stoppt diesen Bekloppten!", schrie irgendein Weißkittel. Ich steuerte auf die Tür zu. "So halte doch endlich einer diesen Wahnsinnigen auf!" schrie wieder der Arzt oder Apotheker. Leute stoben vor mir auseinander. Rita Nishio stieg in eine große, schwarze Limousine. Der Fahrer war ein Japaner. Ich schäumte vor Wut. Die verdammte Automatiktür öffnete sich nicht. Warum, zum Teufel öffnete sie sich nicht? "Ich habe die Automatik verriegelt!", rief der Pförtner dem Arzt oder Krankenpfleger zu. "Er kann uns nicht entkommen!" Ich wich verzweifelt nach links aus und zog an der Bremse. Der Rolli schlidderte seitwärts über den Steinboden. Ich rammte eine Petunie in einem Blumenkübel. Die Blumenerde verteilte sich auf dem Boden. Der Rolli drehte sich und kippte um. Ich rollte wie eine Salami über den Boden. Im Augenwinkel sah ich, wie Rita in der Limousine davonbrauste. "Ich verlange, daß man mich sofort entläßt!" schrie ich und hämmerte mit den Fäusten auf dem Boden herum. "Ich will entlassen werden! Auf eigene Gefahr!" Der Arzt oder Sanitäter baute sich vor mir auf, die Fäuste in die Hüften gestemmt. "Darum will ich auch gebeten haben", fuhr er mich an. "Und die Rechnung kriegen Sie gleich dazu!"
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